Geschichte der Garde

Privilegiertes, Uniformiertes Bürgercorps der Stadt HALLEIN

„Traditionsverband der durch Paradeausrückungen kirchliche und weltliche Feste verschönert“ – Auszug aus den Vereinsstatuten

Allgemein

Das „Privilegierte, Uniformierte Bürgercorps der Stadt Hallein“, in weiterer Folge auch als „Halleiner Garde“, „Halleiner Gardekompanie“, „die Garde“, „Bürgergarde“ oder „Bürgercorps“ bezeichnet, ist ein Verein welcher aus ca. 50 aktiven Mitgliedern besteht. Hauptzweck des Vereins ist, durch Paradeausrückungen kirchliche und weltliche Feste zu verschönern.

Dazu gliedert sich die ausrückende Kompanie, welche von einem Hauptmann kommandiert wird, in einen Fahnentrupp, 2 Schützenzüge und einen Pionierzug. Jeder Zug wird von einem Offizier und einem Zugsunteroffizier geführt. Der Fahnentrupp besteht aus dem Fahnenführer, dem Fahnenoffizier, dem Spieß und einer aktuellen Zahl an Honoratioren (Protektor, Offiziere und Unteroffiziere welche keine aktive Funktion begleiten und einer Ehrendame (bei auswärtigen Festen)). Die Marketenderinnen marschieren neben dem Kommandanten bzw. hinter dem Fahnentrupp. Die Reihenfolge der ausrückenden Züge ändert sich nach einem festgelegten Rotationsprinzip – somit sind alle drei Züge gleichberechtigt.

Abbildung 2 Gliederung der Gardekompanie

Fahne

Die Fahne der Garde ist eine Spende der Fahnenpatinnen Dr. Margarethe Mayr, Maria Galsterer, Margarethe Vogl, Pauline Rosenkranz;
Avers sieht man weißer Hintergrund, mit roten Flammenzacken umrandet, das Halleiner Stadtwappen mit der Umschreibung „Bürgerwehr – hoch in Ehr“, Jahreszahlen: 1278 – 1963
Revers ist roter Hintergrund, mit weißem Rand und roten Flammzacken, Wappen der 2. Republik und das Kaiserwappen aus der k.u.k. Monarchie umschrieben mit „Priv. Unif. Bürgercorps Hallein“ abgebildet.

Abbildung 3 Fahne

Geschichte

Mittelalter

Das Gründungsdatum wurde auf das Jahr 1278 festgelegt. Grundlage für dieses Datum ist eine Weisung des regierenden Erzbischof (EB) Friedrich der 2. von Walchen wonach sich Bürger (zur damaligen Zeit hat man unter dem Begriff Bürger ausschließlich besitzende Einwohner bzw. Stadtadelige verstanden) zur Verteidigung der Stadt zu bewaffnen hatten. Dem voraus gegangen war das Recht durch den Kaiser, die Stadt Salzburg zu befestigen. Im Land Salzburg waren zu dieser Zeit alle Städte gleichberechtigt, somit erlangte auch Hallein das Recht, die Stadt zu befestigen.

Viele, für die heutige Zeit selbstverständliche, Regelungen im Mittelalter wurden aus momentanen Notwendigkeiten heraus getroffen. Im Hintergrund sollte jedoch immer die jeweils herrschende Gesellschaftsstruktur in die Vorstellung von Vorgängen mit einbezogen werden. Zu diesen grundsätzlichen Überlegungen gehört auch die Tatsache, dass eine allgemeine „Wehrpflicht“, wie wir sie heute verstehen, erst im Jahre 1868 (!) eingeführt wurde.

Abbildung 4 einer der ersten „Gardisten“

Neuzeit bis 1800

Wehrhaufen, Söldner, 30 jähriger Krieg, Absolutismus

Eingliederung Salzburgs ins Habsburgerreich

Durch den Ausbruch des Krieges zwischen Österreich und Frankreich kam Salzburg, das Land, welches von den Erzbischöfen ein Jahrtausend lang verwaltet und regiert wurde, in höchste Not.

Am 19. August 1802 marschierten kaiserliche Truppen ein, welche das Land für den Großherzog von Toskana in Besitz nahmen. Kurfürst Ferdinand, Erzherzog von Österreich , Großherzog von Toskana, stiftete im Jahr 1805, zum Zeichen seiner Wertschätzung und Anerkennung, der Bürgergarde von Hallein eine Fahne. In dieser Zeit bestand die Garde aus einer Kavallerie- Abteilung und Füsilieren.

In diesen Zeiten besuchte seine Majestät Kaiser Franz mit Gemahlin am 10. August 1803 und am 5. November 1804 die Stadt Hallein , wobei jedes Mal die paradierende Bürgergarde besondere Erwähnung gefunden hat. Napoleon brach den Frieden und erklärte Östereich den Krieg. Die Franzosen mit den ihm verbündeten Bayern drangen in Salzburg ein, und am 30. Oktober 1805 wurde die Stadt Salzburg besetzt. Am 26. Dezember  1805  wurde in Pressburg Friede geschlossen, infolge dieses Friedenschlusses wurde seine Majestät Kaiser Franz von Österreich Herrscher über Salzburg . Aus dem selbständigen Staat und dem Hauptteil des Kurfürstentums war nun die Provinz eines großen Reiches geworden.

Die Chronik berichtet: „Damals paradierte zum ersten mal die neu uniformierte Bürgergarde  mit  zwar nicht zahlreicher, aber prächtig montierter und vortrefflich exerzierter Kavallerie…“

Die Uniformierung bestand aus gelbledernen Hosen, hellroten silberbordierten Westen, hellgrünen Röcken mit roten Aufschlägen, silberbordiertem Hut und ebensolcher Schabacke. Die Füsiliere trugen hellgrüne Röcke mit roten Aufschlägen, rote Westen, schwarze kurzen Hosen, weiße Strümpfe und Schnallenschuhe.

Am 7. April 1809 erklärte Kaiser Franz dem französischen Kaiserreich den Krieg. In dieser kriegerischen Zeit belastete zudem noch der Durchmarsch vieler verbündeter und feindlicher Einheiten die Stadt und ihre Bewohner. Vom 1.Mai 1809 bis 1. Juli 1810 waren allein im Bezirk Hallein 9030 Offiziere , 143026 Mann und 20248 Pferde einquatiert und verpflegt worden.

Zwei im Zuge der Belagerung der Stadt Hallein von den Bayern abgeschossene, kleine Kanonenkugeln befinden sich noch heute an der Salzachseite der ehemaligen Salamifabrik Grabner.                                                               Am 30.September 1810 fand die Übergabe von Salzburg und Berchtesgaden an Bayern statt.

Während zuvor Österreich und die französische Administration die bestehenden Einrichtungen in Salzburg belassen hatten, gefielen sich die Bayern im neuorganisieren, dem vieles zum Opfer fiel. So wurde die Bürgergarde aufgelöst und in eine Nationalgarde 3. Klasse umgewandelt (28. Jänner 1812). Die Uniformierung bestand aus hellblauen Röcken mit weißen Knöpfen und hellblauen Aufschlägen, gleichfarbigen, engen Hosen und schwarzen Gamaschen. Die Kopfbedeckung bestand aus einem gestülpten Hut mit blauweißen Kokarden.

Das Bürgerkorps hatte während dieser drei Invasionen im Inneren für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, es hatte unzählige Wachen, Patrouillen und Transporte zu tätigen und verhinderte wo sie konnte, in der Bevölkerung drohende Unruhen.

Am Pfingstsonntag, den 17. Mai 1812, führte die „Garde“ ihre erste Kirchenparade durch.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Bürgerkorps und Nationalgarde war, dass die 3. Klasse der Nationalgarde nicht bloß aus den gewerbetreibenden Bürgern der Städte und Märkte, sondern aus allen ansässigen Einwohnern, mittel- und unmittelbaren Staatsdienern und den Familienvätern aller Klassen in den Städten und auf dem Lande bestehen sollte. Jede Stadt hatte jedes Mal mit dem 1.April  und 1. Oktober  eine Tabelle über die Stärke und den Bestand der Bürger-Miliz an das einschlägige königliche General-Landeskommisariat einzusenden, welches dann einen Gesamtbericht Sr. K. Majestät vorzulegen hatte. Unter dem Kommando eines Hauptmannes standen in dieser Zeit etwa 1 Oberleutnant,2 Unterleutnante, 1 Feldwebel, 1 Sergeant, 6 Korporäle, 1 Pfeiffer, 2 Tambours, Pioniere und ca. 90 Mann mit Feuergewehren; diese angeführten Chargen und Gemeinen formierten sich in 2 Kompanien. In dieser Zeit sind die Vorgänger der später eingeführten allgemeinen Wehrpflicht zu finden.

Innerhalb von 13 Jahren, von 1803 bis 1816, wechselte Salzburg fünf Mal seinen Herren , ehe es im Jahre 1816 endlich mit Österreich für immer vereinigt wurde.

Am 31. August 1819 besuchte Kronprinz Ferdinand die Stadt Hallein. Zu diesem Anlass fand vermutlich die erste Paradeausrückung der Bürgergarde im Habsburgerreich statt.

Weitere Paradeausrückungen wurden anlässlich der Besuche von Erzherzog Karl von Österreich (12. Juni 1824) und von Kaiser Franz (16. Juli 1831)  durchgeführt.

Die Stärke der Gardekompanie betrug im Jahr 1829 125 Mann von denen 105 das Bürgerrecht besaßen.

Vom Ende der Monarchie bis heute

In Bearbeitung

Die Garde heute

Neben den statutengemäßen Tätigkeiten, welche die Garde seit Jahrhunderten ausführt (diese Tätigkeiten wurden als Statuten übernommen, da sich aus der Garde im 19.Jhdt. ein Verein entwickelte, der keine „hoheitsrechtlichen“ Dienste (zuletzt im Rahmen der „Landsturmpflicht“ im 1. Weltkrieg) mehr ausübte), widmen sich die Vereinsmitglieder heute zu einem großen Teil geselligen Zusammenkünften.  Da sind neben den wöchentlichen und monatlichen Stammtischen im Gardeheim und bei unserem Stammwirt auch unzählige „Freizeitangebote“ welche von Kameraden angeboten werden. Motorradtouren, Berg- und Wanderausflüge, Mountainbiking und das Schießen mit verschiedenen Waffen zählen hierbei zu den beliebtesten und für die gesamte Gardefamilie interessante Events.

Die Leistungsabzeichen, welche in 3 Kategorien errungen werden können, stellen eine Herausforderung dar und regen zu gemeinsamen Trainings an.

Mehrtägige Reisen, bei denen historische, kulinarische, sportliche und gesellige Interessen im Vordergrund stehen, werden ebenso geboten wie Vorträge zu interessanten Themen: Erste Hilfe, Reiseberichte u.v.m.